Tim Berners-Lee hat eine neue Arbeitsgruppe für HTML5 und XHTML5 gegründet. Schön und gut, aber warum HTML ohne X? Vorsicht, dieser Artikel wärmt eine alte Diskussion wieder auf und dreht sich ein wenig um das Grundsätzliche im Leben. Genau das richtige für so einen Prinzipienreiter wie mich.
Leer oder was?
Worum geht es? HTML und XHTML sind zwei mögliche Auszeichnungsarten für Text, der mit einem Browser angezeigt werden soll. Der Unterschied ist auf den ersten Blick klein. Anstatt
<img src="bla.jpg">
würde der Entwickler bei XHTML folgendes schreiben:
<img src="bla.jpg" />
Da ist ja nur ein Leerzeichen und ein Schrägstrich mehr! Leider oder wie wir gleich feststellen werden zum Glück nicht nur das. Dieser Schrägstrich – das Leerzeichen ist nur aus Kompaibilitätsgründen dort – macht dieses so genannte leere Element eindeutig zu einem leeren Element. Ohne den Schrägstrich am Ende kann der Browser es nicht so einfach von einem öffnenden normalen Element unterscheiden.
Regelwerk
Maschinen brauchen eindeutige, festgelegte Regeln um etwas einfach und schnell verarbeiten zu können. XHTML bietet mit dieser und einigen weiteren Konventionen die Grundlage für diese einfache Verarbeitung. Deswegen wurde es erfunden.
Wenn diese Regeln so festgezurrt sind und der Entwickler sich exakt an die Vorgaben hält und z.B. das Dokument auf Validität prüft, kann der Browser jede Menge Fehlerprüfungen unterlassen und das zu rendernde Dokument viel schneller Verarbeiten und Anzeigen.
Hier wird nun der erste Graben der Geschichte gegraben. Wer soll für Fehler haften? Der Entwickler? Der Browser? HTML schiebt dem Browser den schwarzen Peter zu, er ist für jegliche Prüfung und Korrektur des ihm zugeworfenen Dokumentes zuständig.
Abbruch!
Bei XHTML geht er davon aus, dass gewisse Konventionen erfüllt werden, sind sie missachtet bricht er die Weiterverarbeitung des Dokumentes einfach ab und schiebt den Peter zum Entwickler zurück. Herr Berners-Lee und viele andere Entwickler stören sich an dieser Tatsache, weil sie meinen, dass Internet ein Netz für alle ist und nunmal nicht alle XHTML können, aber doch bitte trotzdem Internetseiten erstellen müssen können.
Ein kleiner Exkurs in andere Bereiche soll meinen Standpunkt erklären:
MPEG
Die Motion Pictures Expert Group hat allerlei Codecs für Videos und Audiodateien entwickelt. Alle folgen dem gleichen Prinzip: Die Last wird asymmetrisch zwischen dem Ersteller (Entwickler) und dem Benutzer (Browser) ausgeteilt. Ein Video zu codieren erfordert sehr viel mehr Technik und Hardwareunterstützung als es die Wiedergabe erfordert.
Der Grund liegt auf der Hand, die Profis juckt es kaum, wenn die Hardware zum Codieren ein paar hundert Euro kostet, den Kunden freut es, dass er mittlerweile DVD-Player für 50 Euro hinterher geworfen bekommt.
ADSL
Um die dünne Kupferleitung die in vielen Haushalten noch liegt besser ausnutzen zu können, haben sich die Techniker etwas tolles einfallen lassen: Asymmetrische Up- und Downloadraten. Ein normaler Nutzer schickt sehr viel weniger Daten in das Internet, als er aus selbigem bezieht. Daher ist es nur gut, wenn die Leitung nicht in eine Richtung für nichts und wieder nichts reserviert wird, um in der Downloadrichtung einen Flaschenhals zu provozieren.
Dat Eng vum Vezällscher
Wir sehen, Asymmetrie zwischen Entwicklern und Benutzern hat sich durchaus bewährt. Warum um alles in der Welt mag man es einem Entwickler nicht zumuten anständiges XHTML zu schreiben? Testmöglichkeiten und Validatoren gibt es zu hauf. Ist es Faulheit? Oder Unkenntnis?
Die Zukunft wären kleinere, schnellere Browser und Seiten die entweder angezeigt werden oder eben nicht, vollkommen digital also, null oder eins. Ich hoffe auf verständnisvolle Entwickler und voraus schauende Berners-Lees und andere Standard-Hirten.