Ein neuer Teil meiner Serie “Bahnmitfahrer“:
Britta heißt die kleine, zierliche Studentin, die mir gegenübersitzt. Ein wenig abgehetzt sieht sie aus. Wuschelige Haare schauen unter der Klappenmütze hervor und explodieren, als sie sie abnimmt. Sie schaut verlegen hoch und ein Lächeln huscht ihr über das Gesicht, um sofort wieder zu verschwinden. Nun schaut sie wieder wie vorher, wie ein junges Reh, das gerade von seiner Mutter auf der Lichtung vergessen wurde.
Sie studiert bestimmt Biologie. Der Block, der hastig aus der quietschbunten Umhängetasche gekramt wird, enthält ziemlich viele Strukturformeln. Während sie an einem belegten Brötchen mampft und den Block vollkrümelt, kritzelt sie irgendwelche Notizen an den Rand. Zwischendurch dann der prüfende Blick nach draußen, wo sich der Zug gerade befinden, nur um erleichtert wieder in den Formelwald einzutauchen.
Geschafft; das Brötchen und die Formeln. Zufrieden wird alles wieder verstaut und ein Nickerchen begonnen. Das aber nur bis zum nächsten Bahnhof. Ihre Station. In großer Hektik und sehr raumeinnehmend packt sie ein und verlässt wie ein Wiesel die Bahn. Viel Spaß bei den Strukturformeln, denke ich…