Was war im Oktober, 2008

Tag 5: Hinterhermsdorf

Sonntag, 19. Oktober 2008

Samstag 27. September 2008. (erster Beitrag)

Ich bin froh, sehr froh. Ich bin frisch geduscht und das heißt, ich habe ein Zimmer bekommen. Das teuerste auf dem ganzen Weg, aber das ist mir gerade ziemlich wurscht. Woher diese Scheißegalhaltung? Fangen wir vorne an.

Blick von den AffensteinenLos ging es mit einem Frühstück, das ich so lieblos wie es da rumstand lange nicht in einer Pension oder einem Hotel erlebt habe. Ich bin kein großer Frühstücker. Die ersten Bissen bekomme ich meist erst nach ein bis zwei Stunden herunter. Deswegen schmierte ich mir mir zwei Brötchen, die mir aber in der Pension „Villa Anna“ vom grantigen Wirt prompt mit 1,50 € in Rechnung gestellt wurden. Hätte ich sie vor Ort gegessen, wäre kein Aufschlag fällig gewesen. So ein Verhalten sollte ich zum Glück zum ersten und letzten Mal hier in der sächsischen Schweiz erleben.

Mit der über 100 Jahre alten und sehr rumpeligen Kirnitzschtalbahn fuhr ich bis zum Beuthenfall, von dem nur ein wenig Geplätscher zwischen zwei baufälligen Häusern zu sehen ist.
Am Fuss der Affensteine lerne ich Martin aus Leipzig kennen, mit dessen Begleitung ich mir die von Johannes und Markus empfohlene Häntzschelstiege zutraue. Am Weganfang wird ausdrücklich gewarnt, dass es eine schwierige Passage sei, die nur im Aufstieg und für Kinder nur gesichert zu bewältigen sei.
Die Stiege ist der Hammer. Adrenalin in Massen pulsiert durch meinen Körper. So komme ich nicht dazu darüber nachzudenken, dass es gnadenlos unvernünftig ist, mit meinem 12-Kilo-Rucksack ungesichert diesen Klettersteig hochzukraxeln.

SteinstrukturenFür meine Tour sind die Affensteine auf jeden Fall der Höhepunkt, oder vielmehr eine Hochebene. Martin aus Leipzsch will auf jeden Fall noch zum Kuhstall, deswegen nehme ich unwissender Weise Umweg Nummer eins in Kauf. Es kostet mich geschätzte zwei Stunden mehr, um zu meinem Mittagsziel zu gelangen; Es sind bereits 15:30 Uhr. Zum Glück habe ich auf dem Weg zwei sächsische Rentnerpärchen aus dem nahen Dresden kennen gelernt, die mich mit ihrer guten Laune bis zum Zeughaus tragen und dort mit mir rasten.

Ab dem Zeughaus folge ich brav den Wegweisern in Richtung Hinterhermsdorf, die Passage in meinem Reiseführer missachtend, die da lautet: „Bitte achten Sie auf die Richtung Pohlshorn, denn auch andere Schilder weisen in Richtung Hinterhermsdorf.“ Ich folge den anderen.

Martin aus LeipzigIch nehme leider den Umweg von ca. zwei bis drei Stunden, bei dem ich meine Knie, meine Achillessehnen und meine krampfende Wade merke. Meine Stimmung ist am Tiefpunkt. Alles tut mir weh, laut Karte sollte ich ohne große Steigung nach Hinterhermsdorf gelangen. Irgendwo nach dem Abstieg treffe ich zwei andere Wanderer, die ich frage, wo ich mich aktuell befände. Ich erscheine auf einem völlig anderen Punkt auf der Karte, als ich erwartet hatte. Mir fällt es wie Schuppen von den Augen. Ich Hornochse bin einen Riesenumweg gelaufen.

Ziemlich am Ende komme ich in Hinterhermsdorf an, wo mich der erste Gasthof abweist. Dafür nimmt man mich im Gasthof zur Hoffnung für 45 € die Nacht auf. Einen Wildschweinrollbraten und ein Gespräch mit zwei Sachsen aus Plauen später, sitze ich beim letzten Bier am Hinterhermsdorfer Stammtisch und schreibe diese Zeilen. Mal sehen, ob ich morgen weiter gehe, oder ob ich aufhöre. Ich bin gespannt.

Tag 4: Bad Schandau

Sonntag, 12. Oktober 2008

Freitag 26. September 2008. (erster Beitrag)

Kurz nach dem Aufwachen stellte ich ein wenig geknickt fest, dass überall im Tal Wolken faul herum hingen. Der Wetterbericht hatte Sonne und 15°C vorausgesagt und nicht Wolken und gefühlte 8°C.

Blick vom Pfaffenstein

Darüber hinaus muss ich jammern: Meine Knie schmerzen verdammt doll und meine Fersen auch. Die Regenwolken stärken meinen inneren Schweinehund und singen etwas von Abbruch. Wenn nicht Abbruch, dann mindestens die heutige Etappe ausfallen lassen, mit dem Schiff oder mit der Bahn nach Bad Schandau fahren, damit ich für die Haupttour ab dort fit bin. Ich will die Etappen vier bis sechs auf jeden Fall laufen. Dort lauert der richtig urwüchsige Urwald; deswegen bin ich hier.

Es geht auch anders. Ich lasse es langsamer angehen, kaufe mir Tabletten mit Muschelextrakt für meine Gelenke und für 20€ im kleinen Bergsportladen Wanderstöcke (neudt.: Nordic-Walking-Stöcke). Gestärkt und bewaffnet erklimme ich nach einem kleinen, unfreiwilligen Umweg den Pfaffenstein. Ich bin oben und habe keine Knieschmerzen mehr. Und… diese… Aussicht… ist… GROSSARTIG!

Der Pfaffenstein Der Weg nach oben Ich ;-)

Innerlich mache ich Luftsprünge. Ich habe es geschafft, obwohl ich heute morgen noch aufgeben oder Plan B bemühen wollte. HaPe (Kerkeling) würde das jetzt wieder auf das normale übertragen, aber das spare ich mir hier.

Johannes und Markus kommen aus Dresden und sind für einen Tag hier oben auf dem Pfaffenstein und haben Tee, Hängematte und Seil zum Balancieren (Slackline) dabei. Sie geben mir Tipps für die Gegend, die ich mir nicht entgehen lassen sollte. Da wären die Ida-Grotte und die Hentschelstiege hinauf auf die Affensteine.

Nach einer knappen Stunde Pause, in der wir sogar von ein paar Dresdenerinnen selbst gemachte Nussecken spendiert bekamen, lasse ich die beiden zurück und mache mich an den Abstieg. Unten angekommen habe ich immer noch keine Knieschmerzen, was ich wohl den Stöcken zu verdanken habe. Nur meine Achillessehnen sind wohl ein wenig entzündet, denn sie tun ein wenig weh.

Japan? Blick vom Pfaffenstein II Kletterer am Pfaffenstein

Ich raste mehr als in den ersten zwei Tagen. Ich denke nicht mehr nur an ein Ziel. Nicht mehr an meinen Reiseführer. Vielmehr an die Möglichkeiten, die sich auf dem Weg ergeben. Gut, dass ich gestern doch noch eine Landkarte gekauft hatte.

Die nächste Wahlmöglichkeit: Soll ich den Papststein besteigen oder außen herum laufen. Ich gehe hinüber und merke, dass außen herum doch besser gewesen wäre, dass es aber auch kein Beinbruch ist.

Zwei Stunden später stehe ich an der Elbe und winke zusammen mit zwei Frauen der Bedarfsfähre in Bad Schandau, damit sie anhält. Untergekommen bin ich in der Villa Anna im Kirnitzschtal, eine Gehminute von der Bahnstation weg, von der aus ich morgen mit der nostalgischen Tram zu meinem nächsten Etappenstartpunkt fahren werde.

Wiese (Im Hintergrund: Die Schrammsteine) Wetterhahn Villa Emma

Nach einem kleinen Elbbummel bin ich nun als Tagesabschluss im Goldenen Anker vor selbigen gegangen. Ich habe ein sensationelles Riesenschnitzel mit Bratkartoffeln verdrückt, dass mit seinen 5,90€ glatt dem Oma Kleinmanns in Köln Konkurrenz machen könnte.

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Tag 3: Lilien- & Königstein

Mittwoch, 8. Oktober 2008

Donnerstag 25. September 2008. (erster Beitrag)

Der nächste Morgen begrüßte mich mit Nieselregen und der gleichen grandiosen Aussicht, nur nicht so weit. Das Frühstück war für die 6€ wirklich der Knüller und für jeden der es einrichten kann empfehlenswert.

Panorama vom Lilienstein aus gesehen

Einen Ab- und einen Aufstieg später stand ich ziemlich geschafft auf dem Lilienstein, wo ich ziemlich bald von zwei schwarzen Katzen begrüßt wurde. Die Freude der beiden war schnell erklärt, die beiden Damen waren recht dünn und hatten anscheinend so wie ich Kohldampf. Nur: Ich hatte vorgesorgt.
Auf dem Lilienstein gibt es ähnlich wie auf der Bastei ziemlich viele, durch moderate Kletterei erreichbare Aussichtspunkte, von denen aus man einen großartigen Rundblick hat.

LPG - geschlossen Katze auf dem Lilienstein Blick vom Lilienstein

Nach dem Abstieg plumpst man quasi in die Elbe, wenn hier nicht wieder die obligatorische Personenfähre wäre. Frisch übergesetzt wurde ich in Königstein von der netten Dame von der Touristeninformation an das Rock-Hostel vermittelt. Das Rock-Hostel ist sehr modern eingerichtet, mit Gemeinschaftsküche und Aufenthaltsraum und insgesamt 16 Betten. Der Wirt Lutz Hensel bietet auch in Kooperation mit einer Kletterschule Klettertouren am Lilienstein an.

Königstein Kinderausflug Nehmen wir heute das Boot, Erna?

Vom Hostel aus laufe ich ohne Rucksack über den alten Festungsweg zur Festung Königstein. Oben angekommen gibt es Militärgeschichte von 1700 bis 2000 zu sehen. Beeindruckend ist der Weg in die Festung hinein. Bei den hohen Mauern und verschiedenen Wehren möchte man kein Angreifer gewesen sein.

Leider machte sich bei mir das linke Knie ziemlich deutlich bemerkbar, denn es war ihm ziemlich egal, dass es hier spannende Geschichte zu sehen gab. Den letzten Bus hinunter hatte ich natürlich verpasst und musste somit mit schmerzendem Knie talwärts humpeln.

Welches Reich? Abstieg von der Festung Königstein PIR-AT, PIR-NA, PIR-OT...

Im Sachsenstübel pausierte ich, ob der Empfehlung der Dame von der hiesigen Touristeninformation. Das Gericht von der Tageskarte war die richtige Entscheidung; Schweinemedallions mit Pilzen und wirklich hausgemachten Knödeln. Lecker!

So, mal schauen, wie ich nun zurück zum Hostel komme und vor allem, wie und ob es überhaupt morgen weiter geht.

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Tag 2: Brand Baude

Dienstag, 7. Oktober 2008

Mittwoch 24. September 2008. (erster Beitrag)

Die Sonne war heute nicht zu Besuch in Sachsen, leider. Dafür war bestimmt der Drachen von der Touristeninformation in Hohnstein verantwortlich, aber dazu später mehr.

Stadt Wehlen

Von der Bahn aus ging ich zur Personenfähre, von denen hier wirklich jeder Elbort eine zu haben scheint, „`nüber na´“ Stadt Wehlen, Hauptort. Eine lange Steigung später wanderte ich relativ unbeeindruckt am steinernen Tisch vorbei Richtung Bastei / Burgruine Niederrathen. Was dem Kölner der Drachenfels, scheint dem Dresdener die Bastei zu sein. Mein Wanderführer schreibt ungeniert „Touristenautobahn“ und lügt damit kein bisschen, sogar ein paar Japaner waren da.

Beim Abstieg an den Schwedenlöchern vorbei traf ich tröpfchenweise auf eine entgegenkommende Schulklasse beim Wandertag, deren Grüppchen ich immer wieder sagen musste, dass sie gerade auf der Hälfte des Weges angekommen seien. Die einzigen, die dies mit einer spontanen Pause quittierten, waren die beiden Lehrkörper.

Das Boot Die Elbe Der Weg (jedenfalls ein Teil)

In Rathen angekommen genoss ich bei meiner Mittagspause ein Stück Kuchen aus der lokalen Bäckerei, direkt an der Fähre. Denn natürlich hat Rathen auch eine Fähre.

Durch den Füllhölzlweg und an der Polenz entlang wanderte ich meinem heutigen Etappenziel Hohnstein entgegen. Nach einem ziemlich knackigen Aufstieg durch den schönen Bärengarten, wollte ich mein Nachtlager in einem Hotel- oder Pensionszimmer aufschlagen. Vor allem wollte ich am ersten Tag nicht mehr als 20km laufen, um mit meinen noch nicht vorhandenen Kräften hauszuhalten.

Die Dame von der Touristeninformation dachte wohl ich sei der Leibhaftige persönlich. Jedenfalls sagte ihr Blick das, als ich ihr eröffnete, dass ich auf der Suche nach einem Zimmer für eine Einzelperson und nur eine Nacht sei. In Hohnstein sei das schier unmöglich, deswegen verwies mich der Drachen an das „wenige Kilometer“ entfernte Brand, wo es eine Herberge geben würde.

Das Boot 2 nOstalgie Die Brand Baude

Unfreiwillig hat sie mir damit eine sehr schöne und gemütlliche Herberge, die Brand Baude, gezeigt. Sie ist mit 8€ Übernachtung und 6€ für das Frühstück billig und hat eine phänomenale Aussicht, von wo aus ich meine morgige Etappe schon wunderbar einsehen konnte.

Beim leckeren Abendessen lernte ich von der netten Kellnerin, dass böhmische Knödel quasi Weißbrot, Plinse Pfannkuchen und Quarkkeulchen ein sehr leckerer Nachtisch sind.

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Tag 1: Dresden

Montag, 6. Oktober 2008

Mittwoch 24. September 2008. (erster Beitrag)

Es regnet und ich sitze in der S-Bahn 1 Richtung Bad Schandau.
Die Pension habe ich gestern sofort gefunden und den netten Wirt, Herrn Fueg, kennen gelernt. Kurze Zeit später machte ich mich auf den Weg in die Dresdener Innenstadt, um Frauenkirche, Zwinger und Semperoper zu besichtigen.

Obwohl das Wetter am Vormittag nicht so schön war, kam jetzt die Sonne durch. Die 8€ um auf die Spitze der Frauenkirche zu gelangen, sind definitiv zu empfehlen. Ein grandioser Ausblick über ganz Dresden bis hin zu meinem Ziel, der sächsischen Schweiz.

Alter Mann an der Elbe Brücken Drei

Nach dem von außen unscheinbaren Zwinger und der Werbeikone Semperoper, ging ich zu Fuß über die Elbe. Die Dampfschiffe und die Brücke erinnerten mich an Prag, wo ich vor Jahren einmal war. Erinnerungen als Seelenbalsam.

Frauenkirche Spatz in der Hand Cafe von oben

Ich wollte in die Neustadt, da ich zwar riesige Hunger, aber keine Lust auf Touristenfallenessen hatte. Nach einigem Suchen wurde ich in der Louisenstraße in einem Hinterhof fündig. Das Planwirtschaft hatte leckeres regionales Bier und lokale Gerichte zu moderaten Preisen. Lecker und zu empfehlen.

Im Zwinger Dampfschiff auf der Elbe Planwirtschaft - Du entscheidest

Nun regnet es und ich bin auf dem Weg zu meinen Tourstartpunkt Stadt Wehlen an der Elbe. Der Wetterbericht sagt ab Mittag Besserung voraus, das lässt hoffen. Bis dahin ziehe ich eine Plastiktüte über meinen Rucksack.

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Tag 1: Im Zug

Sonntag, 5. Oktober 2008

Dienstag, 23. September 2008.

SpatzenIch sitze im Zug von Frankfurt nach Dresden, irgendwo kurz vor Fulda. Draußen zieht die feucht geregnete, diesige Landschaft vorbei. Neben mir sitzen Geschäftsleute, ein Mann und eine Frau, die über irgendein Projekt reden, dass sie nachher in Weimar vorstellen müssen.

Schon eben auf der ersten Etappe waren sie mir aufgefallen; Menschen auf dem Weg zur Arbeit, beschäftigt, gehetzt, gestresst. Sonst bin ich einer von ihnen. Heute nicht. Heute liegt selbst mein iPod noch unbenutzt vor mir.

Vertieft in Gedanken, die wie die Landschaft an mir vorbei ziehen. Arbeit, Privatleben, das Wochenende in Berlin. Vertieft in den Wanderführer, den ich mir gestern gekauft habe, mit der Route, die ich mir in der sächsischen Schweiz vorgenommen habe.

Der Zug ist mittlerweile kurz vor Riesa und ich habe per Handy die von einem Bekannten empfohlene Pension in der Dresdener Neustadt bestellt. Jetzt benutze ich doch meinen iPod. Hape Kerkeling spricht sein Buch Ich bin dann mal weg, was thematisch gut zu meiner Reise passen könnte.

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Café aus der Luft

Mittwoch, 1. Oktober 2008

Als kleiner Vorgeschmack auf die Bilder, die da kommen…