Bahnmitfahrer: Elfriede
Dienstag, 15. Juni 2010Elfriede ist 84 Jahre alt und sie ist nicht das Modell rüstige Rentnerin, sondern eher zierliche, aber alte, Gazelle. Unser Gespräch ist zwar manchmal gefärbt von ihrer Skepsis der Deutschen Bahn gegenüber, aber verfällt nie in das grantige Rumschimpfen, was sonst eher bei den rüstigen Angehörigen ihrer Generation anzutreffen ist.
Ich mag sie, ihre Augen sind zwar von einem müden Gesicht umgeben, schauen aber freundlich und aufgeschlossen in die Welt. Aufgeschlossen ist ihr Stichwort, obwohl sie viel auf Traditionen hält. Sie ist auf dem Weg zu ihrem jüngsten Enkel, mit dem sie – wie bei allen elf Enkel vorher – nach Borkum fahren will. In die selbe Pension wie mit allen anderen.
Aufgeschlossen ist sie Modernem gegenüber, dass ihr etwas bietet. Sie hat einen Computer, zwar von den Kindern verordnet, aber sie weiß, was ein Browser ist. Sie hat z.B. im Internet das Wetter für Borkum nachgeschaut und auch ein Hotel für sich in Frankreich gefunden. Fast kann sie meinen Eltern etwas vormachen.
Immer wieder erzählt sie von früher, dem Luftangriff, den sie im Kölner Hauptbahnhof erlebt hat; unverletzt. Aber auch davon, wie sie – als alte Autofahrerin – erst das Bahnfahren gelernt hat und auch das „computern“. Ich mag diese Kombination aus Geschichte und Jetzt. 1,59cm, 84 Jahre und immer noch lebenshungrig; nachahmenswert.

