paradoxe Ironie
Sonntag, 3. Januar 2010Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, wenn plötzlich die warmen Stimmen von Louis Armstrong und Ella Fitzgerald “Summertime” singen, während es draußen vor dem Fenster bei -3 Grad schneit.
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Ein Blog von und mit Simon Kühn
Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, wenn plötzlich die warmen Stimmen von Louis Armstrong und Ella Fitzgerald “Summertime” singen, während es draußen vor dem Fenster bei -3 Grad schneit.
In letzter Zeit habe ich zum Glück immer öfter wieder Lust und Zeit, abends nach der Arbeit zu kochen. Hier ein paar Ergebnisse:
Speck/Champignon Kaiserschmarrn an Endiviensalat mit zitroniger Vinegrette.
Oder: schlichte Spaghetti mit Kirschtomaten und Fensterbankbasilikum, serviert mit geschenktem Rotwein.
Köln, 6°C, Nieselregen.
Es herrscht eigentlich ziemliches Sauwetter, ich hatte einen emotional anstrengenden Tag, aber ich hatte diesen unbändigen Drang nach Bewegung. Zum Glück haben es die Jungs und das Mädel von Radfieber nach über zwei Wochen endlich geschafft meine Fahrradgabel zu reparieren, sodass ich endlich wieder Rad fahren konnte.
Und das tat ich mal eben. Knapp 9km bin ich gefahren und danach unter die heiße Dusche. Gleich dann glückselig und geschafft ins Bett fallen. Ich freu mich!
Zeit schrieb ich schon nicht mehr hier im Blog. Vieles war zu privat, vieles zu beruflich und einiges einfach zu unspannend für die Öffentlichkeit. Ich will hier eigentlich eher allgemeingültiges mit eher geringem privatem Bezug absetzen.
Eigentlich schade, dass es so etwas in letzter Zeit nicht mehr so oft gab. Da war das Jahresende, das traditionell eher hektisch verläuft. Dann kam Weihnachten, das eher im zu privaten Bereich angesiedelt ist. Nun sind wir beim Jahresanfang und neuen Herausforderungen im Bereich Arbeit (nein keine neue Firma).
Es arbeitet sehr viel in mir und an mir, was mir oft zu wenig Energie für Dinge lässt, die ich gerne tun würde. So langsam kommt er aber wieder zurück; der Drang mitzuteilen.
Nach dem Kniedesaster bei der Wanderung im letzten Jahr will ich mich dieses Jahr auf dem Fahrrad ausprobieren. So langsam beginnt die Materialbeschaffung und die Streckenplanung. Dazu später mehr
Samstag 27. September 2008. (erster Beitrag)
Ich bin froh, sehr froh. Ich bin frisch geduscht und das heißt, ich habe ein Zimmer bekommen. Das teuerste auf dem ganzen Weg, aber das ist mir gerade ziemlich wurscht. Woher diese Scheißegalhaltung? Fangen wir vorne an.
Los ging es mit einem Frühstück, das ich so lieblos wie es da rumstand lange nicht in einer Pension oder einem Hotel erlebt habe. Ich bin kein großer Frühstücker. Die ersten Bissen bekomme ich meist erst nach ein bis zwei Stunden herunter. Deswegen schmierte ich mir mir zwei Brötchen, die mir aber in der Pension „Villa Anna“ vom grantigen Wirt prompt mit 1,50 € in Rechnung gestellt wurden. Hätte ich sie vor Ort gegessen, wäre kein Aufschlag fällig gewesen. So ein Verhalten sollte ich zum Glück zum ersten und letzten Mal hier in der sächsischen Schweiz erleben.
Mit der über 100 Jahre alten und sehr rumpeligen Kirnitzschtalbahn fuhr ich bis zum Beuthenfall, von dem nur ein wenig Geplätscher zwischen zwei baufälligen Häusern zu sehen ist.
Am Fuss der Affensteine lerne ich Martin aus Leipzig kennen, mit dessen Begleitung ich mir die von Johannes und Markus empfohlene Häntzschelstiege zutraue. Am Weganfang wird ausdrücklich gewarnt, dass es eine schwierige Passage sei, die nur im Aufstieg und für Kinder nur gesichert zu bewältigen sei.
Die Stiege ist der Hammer. Adrenalin in Massen pulsiert durch meinen Körper. So komme ich nicht dazu darüber nachzudenken, dass es gnadenlos unvernünftig ist, mit meinem 12-Kilo-Rucksack ungesichert diesen Klettersteig hochzukraxeln.
Für meine Tour sind die Affensteine auf jeden Fall der Höhepunkt, oder vielmehr eine Hochebene. Martin aus Leipzsch will auf jeden Fall noch zum Kuhstall, deswegen nehme ich unwissender Weise Umweg Nummer eins in Kauf. Es kostet mich geschätzte zwei Stunden mehr, um zu meinem Mittagsziel zu gelangen; Es sind bereits 15:30 Uhr. Zum Glück habe ich auf dem Weg zwei sächsische Rentnerpärchen aus dem nahen Dresden kennen gelernt, die mich mit ihrer guten Laune bis zum Zeughaus tragen und dort mit mir rasten.
Ab dem Zeughaus folge ich brav den Wegweisern in Richtung Hinterhermsdorf, die Passage in meinem Reiseführer missachtend, die da lautet: „Bitte achten Sie auf die Richtung Pohlshorn, denn auch andere Schilder weisen in Richtung Hinterhermsdorf.“ Ich folge den anderen.
Ich nehme leider den Umweg von ca. zwei bis drei Stunden, bei dem ich meine Knie, meine Achillessehnen und meine krampfende Wade merke. Meine Stimmung ist am Tiefpunkt. Alles tut mir weh, laut Karte sollte ich ohne große Steigung nach Hinterhermsdorf gelangen. Irgendwo nach dem Abstieg treffe ich zwei andere Wanderer, die ich frage, wo ich mich aktuell befände. Ich erscheine auf einem völlig anderen Punkt auf der Karte, als ich erwartet hatte. Mir fällt es wie Schuppen von den Augen. Ich Hornochse bin einen Riesenumweg gelaufen.
Ziemlich am Ende komme ich in Hinterhermsdorf an, wo mich der erste Gasthof abweist. Dafür nimmt man mich im Gasthof zur Hoffnung für 45 € die Nacht auf. Einen Wildschweinrollbraten und ein Gespräch mit zwei Sachsen aus Plauen später, sitze ich beim letzten Bier am Hinterhermsdorfer Stammtisch und schreibe diese Zeilen. Mal sehen, ob ich morgen weiter gehe, oder ob ich aufhöre. Ich bin gespannt.
Mittwoch 24. September 2008. (erster Beitrag)
Die Sonne war heute nicht zu Besuch in Sachsen, leider. Dafür war bestimmt der Drachen von der Touristeninformation in Hohnstein verantwortlich, aber dazu später mehr.
Von der Bahn aus ging ich zur Personenfähre, von denen hier wirklich jeder Elbort eine zu haben scheint, „`nüber na´“ Stadt Wehlen, Hauptort. Eine lange Steigung später wanderte ich relativ unbeeindruckt am steinernen Tisch vorbei Richtung Bastei / Burgruine Niederrathen. Was dem Kölner der Drachenfels, scheint dem Dresdener die Bastei zu sein. Mein Wanderführer schreibt ungeniert „Touristenautobahn“ und lügt damit kein bisschen, sogar ein paar Japaner waren da.
Beim Abstieg an den Schwedenlöchern vorbei traf ich tröpfchenweise auf eine entgegenkommende Schulklasse beim Wandertag, deren Grüppchen ich immer wieder sagen musste, dass sie gerade auf der Hälfte des Weges angekommen seien. Die einzigen, die dies mit einer spontanen Pause quittierten, waren die beiden Lehrkörper.
In Rathen angekommen genoss ich bei meiner Mittagspause ein Stück Kuchen aus der lokalen Bäckerei, direkt an der Fähre. Denn natürlich hat Rathen auch eine Fähre.
Durch den Füllhölzlweg und an der Polenz entlang wanderte ich meinem heutigen Etappenziel Hohnstein entgegen. Nach einem ziemlich knackigen Aufstieg durch den schönen Bärengarten, wollte ich mein Nachtlager in einem Hotel- oder Pensionszimmer aufschlagen. Vor allem wollte ich am ersten Tag nicht mehr als 20km laufen, um mit meinen noch nicht vorhandenen Kräften hauszuhalten.
Die Dame von der Touristeninformation dachte wohl ich sei der Leibhaftige persönlich. Jedenfalls sagte ihr Blick das, als ich ihr eröffnete, dass ich auf der Suche nach einem Zimmer für eine Einzelperson und nur eine Nacht sei. In Hohnstein sei das schier unmöglich, deswegen verwies mich der Drachen an das „wenige Kilometer“ entfernte Brand, wo es eine Herberge geben würde.
Unfreiwillig hat sie mir damit eine sehr schöne und gemütlliche Herberge, die Brand Baude, gezeigt. Sie ist mit 8€ Übernachtung und 6€ für das Frühstück billig und hat eine phänomenale Aussicht, von wo aus ich meine morgige Etappe schon wunderbar einsehen konnte.
Beim leckeren Abendessen lernte ich von der netten Kellnerin, dass böhmische Knödel quasi Weißbrot, Plinse Pfannkuchen und Quarkkeulchen ein sehr leckerer Nachtisch sind.
Mittwoch 24. September 2008. (erster Beitrag)
Es regnet und ich sitze in der S-Bahn 1 Richtung Bad Schandau.
Die Pension habe ich gestern sofort gefunden und den netten Wirt, Herrn Fueg, kennen gelernt. Kurze Zeit später machte ich mich auf den Weg in die Dresdener Innenstadt, um Frauenkirche, Zwinger und Semperoper zu besichtigen.
Obwohl das Wetter am Vormittag nicht so schön war, kam jetzt die Sonne durch. Die 8€ um auf die Spitze der Frauenkirche zu gelangen, sind definitiv zu empfehlen. Ein grandioser Ausblick über ganz Dresden bis hin zu meinem Ziel, der sächsischen Schweiz.
Nach dem von außen unscheinbaren Zwinger und der Werbeikone Semperoper, ging ich zu Fuß über die Elbe. Die Dampfschiffe und die Brücke erinnerten mich an Prag, wo ich vor Jahren einmal war. Erinnerungen als Seelenbalsam.
Ich wollte in die Neustadt, da ich zwar riesige Hunger, aber keine Lust auf Touristenfallenessen hatte. Nach einigem Suchen wurde ich in der Louisenstraße in einem Hinterhof fündig. Das Planwirtschaft hatte leckeres regionales Bier und lokale Gerichte zu moderaten Preisen. Lecker und zu empfehlen.
Nun regnet es und ich bin auf dem Weg zu meinen Tourstartpunkt Stadt Wehlen an der Elbe. Der Wetterbericht sagt ab Mittag Besserung voraus, das lässt hoffen. Bis dahin ziehe ich eine Plastiktüte über meinen Rucksack.